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Kulturstammtisch Mautern > Rückblick
> 2001
Anton Kerner von Marilaun
Kulturstammtisch zum 170.
Geburtstag
Der Kulturstammtisch der Volkshochschule Mautern vom 8.11.2001
war der würdige Abschluss des Jahresthemas 2001 „Menschen am
Strom“. Wurde am 28. Juni anlässlich des Todestages von Martin
Johann Schmidt und seines Vaters deren Werke in der Pfarrkirche
vorgestellt, so galt diesmal das Interesse dem ehemaligen schönborn'schen
Mauterner Schloss.
Nach der Besichtigung der Pflegerwohnung und der Schlosskapelle
waren die Referentin des Abends, Frau Mag. Dr. Maria
Petz-Grabenbauer und der Kursleiter Josef Hadrbolec Gäste im
Herzoghof in Rossatz. Herr Dipl. Ing. Dietrich Herzog, ein Nachfahre
dieser alten Schiffmeisterfamilie aus der die Mutter Anton Kerners
stammte, führte sie auf die Rossatzer Spuren Kerner von Marilauns.
Zum gut besuchten Vortrag am Abend konnten dann als besondere Gäste
Herr Vizerektor Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. Herbert Hager von der
Universität f. Bodenkultur mit Gattin und Herr Prof. Helmut Grössing
vom Institut für Geschichte an der Universität Wien in der Aula
der Hauptschule begrüßt werden. Herr Hadrbolec stellte die
Referentin kurz vor.
Nach ihrer durch eine Auszeichnung bewerteten Arbeit über den
Begründer der botanischen Tradition in Wien Nikolaus Joseph
Freiherr von Jacquin befasste sie sich mit dem Thema Botanischer
Garten Wien und in weiterer Folge mit einer Biographie über Kerner
von Marilaun. Im Rahmen ihrer mehrjährigen Recherchen in Innsbruck,
Wien, Budapest tauchten immer mehr Facetten dieser faszinierenden
Persönlichkeit auf.
Am 12.November 1831 wurde er als zweiter Sohn des Oberamtmannes und
Schlossverwalter Josef Kerner geboren. Seine Mutter war aus Rossatz
gebürtig und entstammte der alten Schiffmeisterfamilie Herzog. Bei
der am gleichen Tage erfolgten Taufe durch P. Schwertfeger wurde der
Pate Anton Stadler durch die Großeltern Herzog vertreten. Beide Brüder
nutzten von klein auf jede Gelegenheit die Flora ihrer Heimat kennen
zu lernen. Nach dem Besuch des Kremser Piaristengymnasiums
vollendete er das Medizinstudium in Wien, 1855 wurde er mit den
Grauen der Choleraepidemie konfrontiert und stieg seiner Neigung
entsprechend auf das Lehramt für Naturgeschichte um, unterrichtete
in Ofen am Polytechnikum. 1860 erfolgte die Berufung an die
Universität Innsbruck als ordentlicher Professor der
Naturgeschichte.
Neben Botanik unterrichtete er auch Zoologie, Mineralogie und
Geognosie. Nach dem er um 1860 einen der ersten Felsengärten der
Welt in einem alpinen Versuchsgarten in 2195 m Höhe auf dem Blaser
(oberhalb von Trins im Gschnitztal /Tirol) aufbaute, schrieb er 1863
ein Buch über das Pflanzenleben der Donauländer. Dazu bereiste er
viele Teile der Monarchie. Tirol, wo er auch seine Frau er Marie
Ebner von Rofenstein, verw. Gräfin Wolkenstein 1862 heiratete,
sollte dann seine Heimat werden. 1877 erhält er den Orden der
Eisernen Krone und den damit verbundenen erblichen Ritterstand von
Marilaun benannt nach seinem im ladinischen Sprachgebiet gelegen
Besitz.
Für sein Wappen erbat er sich Aurikelblüten. 1877 wird er zum
Professor der systematischen Botanik und zum Direktor des
botanischen Gartens der Wiener Universität ernannt den er völlig
neu gestaltete. Seine Verbindungen zu Charles Darwin brachte für
beide interessante Erkenntnisse. 1888 erscheint in zwei mächtigen Bänden
sein berühmtes Werk "Pflanzenleben“. Daß man Botanik im
Unterricht ganz anders “nicht verstaubt“ vortragen kann, war
dann die praktische Nutzung dieses durch seine besonders lebhafte
Art der Schilderung und vollendete künstlerische Darstellung sich
auszeichnende Werk.
Die Studenten waren von seiner Vortragstätigkeit begeistert, die
Wissenschaft ehrte ihn auch durch Namengebung bei vielen der mehr
als 60 von ihm entdeckten Pflanzen. Am 21.Juni 1898 stirbt Anton
Josef Kerner v. Marilaun plötzlich während eines Vortrages an der
Akademie der Wissenschaften. Betrauert von seiner Witwe, vom Bruder
Josef Anton Landesgerichtspräsident i.R. seiner Schwester Anna
Hackl geb. Kerner, der Tochter Adele Wettstein von Westerheim mit
ihrem Gatten Schwiegersohn Dr. Richard Wettstein von Westerheim k.k.
Professor an der deutschen Universität in Prag, seinen Söhnen Dr.
med. Fritz Kerner v. Marilaun und Rudolf Kerner v. Marilaun stud.
phil.
Kerner von Marilaun erhielt ein Ehrengrab am Wiener
Zentralfriedhof.
Dieses wissenschaftliche Leben wurde durch Frau Mag. Dr. Maria
Petz-Grabenbauer in einmaliger Weise mit seinen Künstlerischen Fähigkeiten
vernetzt. Gedichte und Schilderungen aus seiner Feder durch
Dias begleitet öffneten ein Fenster zu einer anderen Seite dieses
begnadeten Menschen. Kerners Zeichnungen beweisen eine weit überdurchschnittliche
Begabung, seine prachtvollen Naturschilderungen lassen seine Werke
auch heute noch zu einem Erlebnis werden.
Die anschließenden Wortmeldungen trugen wesentlich zum
„Begreifen“ der Persönlichkeit Kerner v. Marilauns und seiner
Wurzeln in Mautern bei.
Die Enkelin eines Schönbornschen Hausmeisters Frau Hermine Hagen
berichtete über die Aufteilung der Räume, die Aufgaben und die
landwirtschaftlichen Aspekte im Schloß und um die Herrschaft.
Der Kursleiter Hadrbolec konnte auf Grund der von Frau Erna Kainz
anlässlich der Benennung einer Kerner von Marilaunstraße 1967 in
Mautern herausgegeben Kurzbiographie und Daten aus der Häuserchronik
Mautern, erarbeitet von Herrn Dr. Maroli, weitere lokale Daten
beisteuern. Seine Hebamme hieß Theresia Klintz, der Kremser
Piaristenpater Karl Erdinger förderte die Liebe zur Botanik Josef
Kerner war mit Abt Dungl gut bekannt, ersteigerte das alte Schulhaus
von Göttweig, hatte eine Gruft am Mauterner Friedhof.
Herr Dipl. Ing. Dietrich Herzog schilderte seine familiären
Verbindung als Nachkomme der Mutter von Anton Kerner und dessen
ersten botanischen Erlebnisse mit Gartenprimeln im Rossatzer
Hausgarten.
Herr Vizerektor Prof. Hager von der Universität f. Bodenkultur
stellte die Bedeutung Kerner von Marilauns und seine Persönlichkeit
für die Geschichte und das Ansehen der Österr. Botanik vor. Im
Arkadenhof der Wr. Universität erinnert seit 1907/8 ein Denkmal an
diesen Botaniker aus Mautern.
Prof. H. Grössing vom Institut für Geschichte an der Universität
Wien berichtete kurz über sein Institut. Das Leben der behandelten
Persönlichkeit und deren Ausstrahlung über Zeiten und Länder
stellt natürlich für einen Geschichtswissenschaftler eine
besondere Herausforderung dar. Mit einem Dank an Mautern für diesen
Abend zu Ehren Kerner von Marilauns verabschiedete er sich von
Mautern.
Der Herr Vizebgm. von Mautern Armin Sonnauer dankte am Ende der
heurigen Kulturstammtischreihe den Gästen für ihr Kommen, dem
Kursleiter für die Organisation dieses Abends den er als Höhepunkt
der Kursreihe bezeichnete. Aber auch für das Engagement
Mauterner Persönlichkeiten nicht in Vergessenheit geraten zu
lassen, sprach er seine Anerkennung aus.
Auf Einladung des Obm. Brustbauer der Vinothek Mautern erlebten
die Gäste ein weiteres Kapitel Botanik in Mautern im Rahmen einer
stimmungsvollen Weinverkostung in der Vinothek Römerkeller Mautern. |